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RANDI e. V.
Partnerschaft mit indischen Dalits

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Wie alles begann

Geschrieben von Margit am . Veröffentlicht in Geschichte

Lydia Faul erzählt von den Anfängen

Irgendwann im Jahre 1980 erhielt ich einen Anruf von meinem Freund Dr. Rudolf Buntzel vom Evangelischen Bauernwerk in Hohebuch. Er fragte mich, ob die Bauernschule Nordbaden Lust hätte, ein Austauschprogramm mit einer kleinen indischen Dorfentwicklungsgesellschaft durchzuführen. Er hatte den Leiter dieser Gruppe bei einem Austauschprogramm auf den Philippinen getroffen. Seine eigene "Bauernschule Hohebuch" war bereits mit einem anderen Austauschprogramm ausgelastet.

Ich war in diesem Sommer in Sri Lanka gewesen und fand diese Idee sehr verlockend. Unser Schulleiter, Herr Albert Emmerling war selbst schon mit einer Reisegruppe in Indien und fand die Idee ebenfalls sehr interessant. Er stimmte unter zwei Bedingungen zu: 

1. Ich müsste einen Kooperationspartner unter den regionalen kirchlichen Bauernorganisationen finden.

2. Ich müsste das Programm selbst leiten, da sein Englisch nicht gut genug sei.

Einer der Pfarrer, mit denen wir zusammenarbeiteten, Friedrich Wernz, fragte die Leiter der KDL-Regionalgruppen (Kirchlicher Dienst auf dem Land). Die Bauern aus unserer direkten Umgebung schienen nicht sehr daran interessiert, wohl aber Arnold Paulus vom Arbeitskreis Kraichgau.

Im Juli 1980 begann ich mit den Vorbereitungen. Um die Finanzierung zu sichern, verwies uns Dr. Buntzel uns an den ABP (Ausschuss für Bildung und Publizistik) der evangelischen Kirche Deutschlands. Zwischenzeitlich wechselte Dr. Buntzel zu einer anderen Stelle. Glücklicherweise unterstützte uns auch der neue Mann in Hohebuch, Dr. Rüdiger Stegemann. Unser Programm sah vor, dass sieben indische Teammitglieder im Mai/Juni 1981 nach Deutschland kommen sollten. Sie würden einen Einführungskurs in der Bauernschule Nordbaden in Tauberbischofsheim bekommen und dann zu den verschiedenen Gastfamilien gebracht werden. 

Am 21. Mai 1981 war es soweit. Sieben Männer kamen auf dem Frankfurter Flughafen an. Ihre Namen waren George, Lazarus, Mohan Rao, Nagendra Rao, Ranjan Babu, Viswanadam und Yohan.  Ihre Gastfamilien waren die Familien Filsinger, Flach, Hecker, Holzwarth, Huber, Kern, Paulus, Schall und Simmel.

Monika Schwarz, eine junge Sozialarbeiterin, die gerade in der Bauernschule als Praktikantin arbeitete, half sehr viel, die verschiedenen Familien zu betreuen. Alle Familien hatten Landwirtschaft und in dieser Zeit sehr viel zu tun. Die indischen Gäste wurden mit auf die Felder genommen und halfen vor allem beim Zuckerrüben hacken. Nach einem langen Arbeitstag trafen sich Gastfamilien und Gäste noch irgendwo, um über ihre Erfahrungen zu sprechen und uns von ihrem Alltag in Indien zu erzählen. Wir hörten zum ersten Mal vom Leben mit dem Kastensystem und wie die sogenannten "Unberührbaren" misshandelt und ausgebeutet wurden. Wir haben viele Abende damit zugebracht, diese für uns unglaublichen Dinge zu hören. Als die Inder sich verabschiedeten, wussten alle Teilnehmenden, dass dies eine Erfahrung war, die wir ein Leben lang nicht vergessen würden.

Am 5. Januar 1982 startete die deutsche Gruppe, bestehend aus Günter Emmert, Liese Filsinger, Fritz Mayer, Arnold und Gertrud Paulus, Monika Schwarz, Ilse Schneider und Lydia Faul zu einem Gegenbesuch nach Indien. Wir kamen damals nach Siripudi und verbrachten eine interessante Zeit mit unseren indischen Freunden. CARDS hatte sein Büro in Ponnur und dort lebten wir zusammen mit der Familie von Direktor P. Ranjan Babu. Wir besuchten die Dörfer, in denen die Sozialarbeiter wohnten und arbeiteten. Wir sahen das "Body Theatre“, das so wichtig war, um die Botschaft von Gleichheit und Gerechtigkeit unter den Kastenlosen zu verbreiten, die größtenteils Analphabeten waren. Wir sahen, wie sich bemühten, die Methoden der ländlichen Entwicklungsarbeit zu verbessern. Herr Ranjan Babu hatte die Methode von Paolo Freire, dem großen brasilianischen Lehrer und Entwicklungspädagogen, an den indischen Alltag angepasst. 

Wir besuchten Schulen, in denen CARDS Englisch-Unterricht anbot, um diese auch für höherkastige Eltern attraktiv zu machen. Eine Schule ohne Kastenschranken war eine der Visionen von Direktor Ranjan Babu. Wir trafen auch den Präsidenten und einige Vorstandsmitglieder von CARDS und hatten einen guten Meinungsaustausch. Im September 1983 besuchte ich Indien noch einmal auf eigene Faust. Ich begleitete die CARDS Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in die Dörfer und wir veranstalteten ein Seminar in Mangalagiri. CARDS plante damals, das Büro an diesen Ort zu verlagern, der bis dahin eine Schule war, die von katholischen Nonnen geleitet wurde.

Das Wichtigste waren jedoch die Diskussionen mit Ranjan Babu. Er erzählte mir von seiner Vision, ein Junior College für die Jugendlichen aus den Dörfern einzurichten. Neben dem normalen Schulunterricht wollte er ihnen Kenntnisse beibringen, die sie für die ländliche Entwicklungsarbeit in ihren Dörfern nutzen konnten. Er sagte mir auch, dass er schon mit verschiedenen Hilfsorganisationen darüber gesprochen hatte, jedoch hatten alle eine Unterstützung mit der Begründung verweigert, dass Schulbildung eine Aufgabe der indischen Regierung sei. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass es sehr wichtig für Ranjan Babu wäre, dieses Projekt zu beginnen. Er sage mir, dass er sogar schon einen Bauplatz für das geplante College in Aussicht hätte. Sein Vater hatte ein Reisfeld in der Nähe des Dorfes Phirangipuram gepachtet, das zu verkaufen wäre. Er wollte es mir gerne zeigen. Unglücklicherweise hatte ich mir den Fuß vertreten, so dass ich fast nicht laufen konnte. Ich wurde in den Bus nach Phirangipuram gesetzt und Ranjan Babus Vater, Herr Viswanadam, holte mich mit einem zweirädrigen Büffelkarren ab. Ich kletterte mühsam hinein und Viswanadam zeigte mir alles. Er machte mir auch klar, dass dies eine einmalige Gelegenheit sei, weil es für Dalits sehr schwer sei, überhaupt Land kaufen zu können.

Wieder zuhause, besprach ich meine Erfahrungen und die neuen Ideen von Ranjan Babu mit den Freunden vom KDL, vor allem mit Arnold Paulus und Albert Emmerling. Wir beschlossen, einen Spendenaufruf an den KDL und die Altschülergemeinschaft der Bauernschule zu richten. Wir erhielten etwa 25.000,-- DM, was ausreichte, um das Feld zu kaufen und die ersten beiden Gebäude zu errichten. Der neue Campus erhielt den Namen Rural Christian Junior College Deenapur (Ländliches christliches Juniorcollege Deenapur) und begann im Juli 1984 mit 14 Studenten. 

Eine weitere wichtige Entwicklung begann, als die ersten Praktikanten nach Indien zu CARDS kamen. Sigrun Landes und Yvonne Bär aus Öhringen waren 1984/1985 dort. Sie waren sehr beeindruckt von den verschiedenen Straßentheater-Szenen, die von den CARDS Teams in den Dörfern aufgeführt wurden, um ihre Botschaft zu verkünden. Sie machten den Vorschlag, eine solche Gruppe einzuladen und bei uns in Kirchengemeinden und anderen Orten auftreten zu lassen. Wieder gab uns Dr. Rudolf Buntzel den Rat, beim ABP wegen einer finanziellen Unterstützung eines solchen Programmes nachzufragen. Dies wurde genehmigt und das erste Austauschprogramm mit einer Theatergruppe fand vom 16.6. bis 13.7.1985 statt. Sabine Meier und Susanne Landes waren dann im Sommer 1986 in Indien, ihnen folgten dann Steffi König, Bettina Vossbeck, Hildegard Fuchs und Friederun Horsch in 1986/1987. 

Schließlich wurde am 16.6.1986 der Verein "Partnerschaft in der Einen Welt - Hilfe zur Selbsthilfe e.V. in der Bauernschule in Mosbach-Neckarelz gegründet.

Wie alles begann

Lydia1

Interview mit Arnold und Gertrud Paulus

Arnold Gertrud1

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