Hilfe zur Selbsthilfe – Partnerschaft in der einen Welt – RANDI e.V.
Liebe Gäste, liebe Freunde, liebe Mit-Unterstützer von CARDS,
zunächst ein großes Dankeschön an meine Vorrednerinnen, dass sie die 40 bzw. 45 Jahre Partnerschaft (wenn wir die vereinslose Zeit dazuzählen) so bunt vor unseren Augen haben entstehen lassen. Und es ist kein Zufall, dass meine Vorrednerinnen Frauen waren, denn auch bei RANDI e.V. waren es vor allem Frauen, die diese Partnerschaft in den verschiedenen Positionen mit CARDS gelebt und gestaltet haben.
Und wenn Du, liebe Steffi, vorhin gesagt hast, dass es Dir eine Ehre war, dann will ich dieses Wort gerne aufgreifen und sagen: es ist mir eine Ehre, den Staffelstab, den Arnold Paulus 1986 als Vereinsvorsitzender aufgenommen hat, als sein vierter Nachfolger weiterzutragen.
Arnold war ein Menschenfänger. Er konnte überzeugen und er konnte motivieren. Er war vom CARDS-Ansatz überzeugt: das Kastensystem, zementiert Ungleichheit. Durch Bildung kann es friedlich überwunden werden. Damit können Dalits und ihre Familien eine bessere Zukunft gewinnen, nicht nur individuell, sondern die Bevölkerungsgruppe der Dalits insgesamt.
Auch mich hat er 1986 gefangen. Wir hatten uns beim Kirchlichen Dienst auf dem Land kennengelernt, er der langjährige Verwalter auf dem Eulenhof in Ehrstädt und ich, der junge Assessor beim Landwirtschafts-amt Sinsheim, gerade zurück aus dem Entwicklungsdienst in Togo. „Sie waren doch in Afrika. Kommen Sie mit nach Neckarelz. Wir haben Besuch aus Indien“, hat er damals zu mir gesagt. Am Ende war ich Gründungsmitglied und Kassierer in unserem Verein.
Aber vor allem war ich überrascht und begeistert von dem, was ich dort in Neckarelz erfahren habe. Die Projekte, die ich in Afrika kennengelernt habe, hatten sich alle Europäer ausgedacht. Hier war jetzt ein Projekt, das Dalits aus Indien selbst entwickelt und auf den Weg gebracht hatten, also Ranjan Babu zusammen mit seiner Frau und seinen Mitstreitern. Welch ein Unterschied! Ich war begeistert von der Idee, dass betroffene Menschen selbst ihre Programme entwickelten und wir nur bei der Finanzierung halfen. Partnerschaft auf Augenhöhe eben. Da wollte ich mitmachen.
Arnold hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Sache von CARDS im Kraichgau bekannt zu machen, und das ist auch gelungen. So gut, dass auch unser Verein in der Öffentlichkeit auch oft einfach nur als „CARDS“ bezeichnet wurde.
Im Verein wurde gebastelt, Marmelade gekocht, Plätzchen gebacken und bei Weihnachtsmärkten und anderen öffentlichen Gelegenheiten haben wir unsere Sachen zusammen mit Dingen, die unsere Reisenden aus Indien mitgebracht hatten, unter die Leute gebracht. Alles natürlich verbunden mit Informationen über die Situation der Dalits und über ihre Projekte in Indien.
Im Vorstand gab es damals eine Arbeitsteilung: Arnold hat die Events organisiert, Transport und Aufbau des Stands, wir alle hatten wechselweise Standdienst und Margit hat darüber in der Öffentlichkeit berichtet, denn Margit Nitsche war ab 1989 unsere Schriftführerin – für 34 Jahre.
Lydia, unsere damalige zweite Vorsitzende, war neben Arnold die zweite Kontaktperson nach Indien, weil sie gut Englisch sprach und hatte die Aufgabe übernommen, Reisen zu CARDS zu organisieren und so Menschen über die Kontinente hinweg in Kontakt zu bringen. Sie weiß am besten, wie viele Reisen das waren.
Aber es gab nicht nur Vereinsreisen. Zu CARDS nach Indien fuhren auch die Ev. Bezirksjugend aus Sinsheim, die Ev. Studentengemeinde aus Frankfurt und eine Gruppe von Teilnehmern des Predigerseminars Wuppertal, angeregt und organisiert von unserem heutigen Schriftführer Ravinder Salooja zu CARDS. So wuchs das Netzwerk immer weiter, und immer wieder wurden Reisende Vereinsmitglieder. 170 waren wir einmal. Aktuell sind wir noch 146 Mitglieder. Deshalb nehme ich die Gelegenheit heute gerne wahr und weise auf die Beitrittsformulare hin, die bei den Getränken liegen.
Über viele Projekte, die wir in Arnolds Vorstandszeit bei CARDS unterstützen konnten, wäre zu berichten: der Bau des Frauencolleges (WEDS) in Guntur, die Förderung von Frauenspargruppen (Aktion 33), die Vision 2020, um vielen Familien den Kauf einer Büffelkuh und damit zusätzliches Einkommen durch Milchverkauf zu ermöglichen.
Im Jahr 2000 übernahm Lydia Faul für drei Jahre den Vorsitz, bevor dann die 18 Jahre lange Periode der Vorstandszeit von Steffi König begann. Zusammen mit Steffi begann damals Siegfried Funk seine Tätigkeit als Kassierer.
Mit großem Elan füllten beide ihre Vorstandsämter aus, unterstützt von Ria Paulus als 2. Vorsitzende und Margit Nitsche als Schriftführerin, sowie den Beisitzer:innen Sabine Danner, Sabine Widenmeyer, Hans-Eckard Bucher und mir.
Es gab statt bisher 3-5 pro Jahr monatliche gut vorbereitete Vorstandssitzungen, Aktionen in Schulen und Kindergärten (Aglasterhausen und Helmstadt) wurden durchgeführt und vor allem gab es alle 3-4 Jahre den Besuch einer CARDS-Kulturgruppe im Kraichgau.
Der Evangelische Entwicklungsdienst bezuschusste die Flugreise. Die restlichen Kosten trug der Verein. Aber Antragstellung und Abrechnung bedeuteten einen großen Aufwand, vor allem für Steffi, Margit und Siegfried. Dazuhin musste ein Programm mit Auftritten in Schulen und Kirchengemeinden, das Kennenlernen Deutschlands und der Deutschen entwickelt und viele Transporten organisiert werden. Eine logistische Meisterleistung. Die ersten Male waren die Besucherinnen und Besucher einzeln in Familien untergebracht. Das bedeutete für diese oft einen Kulturschock. Deshalb suchte und fand der Vorstand und vor allem Steffi Möglichkeiten, um die Gruppe zusammen unterzubringen und zu versorgen. So konnten sie sich gegenseitig stützen.
In den 18 Jahren ihrer Vorstandschaft waren, ich glaube das kann ich sagen, Steffi, Margit und Ria die Motoren und die Gesichter unseres Vereins. Als Steffi dann 2021 und Margit und Hans-Eckhard Bucher 2023 aus gesundheitlichen Gründen ihre Ämter aufgeben mussten, endete tatsächlich eine Ära. Als Dank und Anerkennung wurden Steffi König und Margit Nitsche 2023 wie schon 2011 Lydia Faul die Ehren-mitgliedschaft verliehen.
Seither führen Ria und ich den Verein, weiterhin unterstützt von unserem Kassierer Siegfried Funk, unserem Schriftführer Ravinder Salooja und den Beisitzerinnen Sabine Danner und Jessica Paulus.
Vieles hat sich seither verändert. Besuche von Kulturgruppen werden heute nicht mehr bezuschusst, sind damit für uns nicht mehr finanzierbar und auch vom Aufwand her nicht mehr zu leisten.
Die Schulpartnerschaft mit der Kraichgau-Realschule funktioniert nach wie vor. Alle Jahre erzählen wir im Unterricht von CARDS und die Kinder laufen beim Sponsorenlauf auch für Kinder in Indien. Nach wie vor informieren wir (Margit sei Dank!) über unsere Homepage, in jährlichen Informationen für unsere Unterstützerinnen und Unterstützer und wo wir es können auch in der Öffentlichkeit.
Und wir machen es gerne, so lange wir es können, denn die Arbeit bei RANDI e.V. ist eine wichtige Unterstützung für CARDS.
Und diese Arbeit tut auch uns gut, denn jede Stunde, die wir in diese Partnerschaft investieren, ist sinnvoll. Und Sinn ist etwas, was wir Menschen im Leben brauchen.
Dieter Eitel







