Leben auf dem Bahnhof ist kein Zuhause
Saniya ist 17 Jahre alt. Sie studiert am „Dr. Ranjan Babu Community Junior College“ (RCJC) in Deenapur. Ihre Fächer sind History, Economics, Civics, Geschichte, Ökonomie, Verwaltung (HEC). Sie lebt im GIRL-Mädchenheim, in direkter Nachbarschaft zum College-Campus. Sie ist eine selbstbewusste junge Frau. Freundlich schaut sie uns auf dem Foto an. Vom Beginn ihres Lebens erzählt sie wenig. Ihr Leben vor dem GIRL schildert sie mit wenigen Sätzen.

„Ich bin Saniya. Ich bin schon als kleines Kind ins GIRL gekommen. Ich lebte mit meiner Mutter auf dem Bahnhof. Mein Vater war gestorben, wir hatten keine eigene Wohnung. Meine Mutter hat sich kaum um mich gekümmert. Eine freundliche Frau, die am Bahnhof putzte, hat Supriya von CARDS auf mich aufmerksam gemacht. Mit ihrer Hilfe wurde ich ins GIRL-Mädchenheim aufgenommen.
Sicherheit und Fürsorge
Ich war ein schwaches und kränkliches Kind. Im GIRL hat sich meine Gesundheit erheblich verbessert. Seit ich im GIRL bin, habe ich wirklich alles, was ich brauche. Ich habe Kleidung, Seife, Öl (für die Haare) und Freundinnen, die für mich wie Geschwister sind. Wir haben gutes, nahrhaftes Essen und werden in jeder Hinsicht gut versorgt und betreut.
Ich wurde eingeschult, hatte meine Schuluniform, Schultasche, Stifte, Bücher - alles war da für mich. Ich kann meine Ausbildung weiterführen und werde darin unterstützt. Zur täglichen Routine im GIRL gehört neben der Körperpflege auch Yoga für Geist und Körper. Wir haben gelernt, unsere Umgebung sauber zu halten, deshalb pflegten wir den Garten um unser Heim gemeinsam.
Ausflüge - Musik - Tanz - Wettbewerbe
„Während der Sommerferien unternehmen wir Ausflüge. Wir waren schon in der „Ramoji Film City“ oder am Meer, an den Stränden von Chirala oder Vizaq. Diese Erfahrungen machen uns große Freude und eröffnen uns neue Horizonte über den Schulbesuch hinaus.
Im GIRL werden wir ermutigt an schulischen, sportlichen und kulturellen Veranstaltungen und Wettbewerben teilzunehmen. Bei einem landesweiten Volkstanz-Wettbewerb erreichte unsere Gruppe den 2. Platz. Bei einem landesweiten Throwball-Wettbewerb kam unser Team sogar auf den 1. Platz. Wir sind stolz darauf, dass wir dadurch Anerkennung finden, auch wenn die Gesellschaft uns nicht immer anerkannt hat.
Musik, singen und tanzen macht uns allen immer Spaß und wir lernen auch den Stick-Dance und die Trommel zu spielen. All das gibt uns Selbstvertrauen und führt dazu, dass wir sicher sind, unabhängig auf eigenen Beinen stehen zu können.“
Zukunftspläne
„CARDS und das GIRL liegen mir sehr am Herzen. Die Liebe und Fürsorge, die ich dort erfahren habe, gibt mir die Kraft, große Träume zu haben und eine strahlende Zukunft anzustreben. Mein persönliches Ziel ist Polizistin zu werden. Ich will Kinder schützen und die Menschen zur Verantwortung ziehen können, die ihnen Schlechtes antun.
Ich bin zuversichtlich, dass ich einen guten Platz im Leben finden werde. Das GIRL ist für mich nichts weniger als ein von Gott gesegnetes Zuhause, zu dem ich immer wieder gerne zurückkehren werde.
Auch wenn wir leibliche Eltern haben, sind unsere wahren Eltern die CARDS-Familie und das GIRL Mädchenprojekt unser Zuhause. Ich bin zutiefst dankbar für die Unterstützung, die ich hier erfahre, und werde die Liebe, Fürsorge und Stärkung, die ich hier erlebe, immer in Ehren halten.“

„Meine Familie“
Bericht und Übersetzung Ria Paulus, Fotos CARDS



